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Tokenize.it-Gründer Christoph Jentzsch im Interview

Das im sächsischen Mittweida ansäßige Blockchain-Startup Tokenize.it hat eine Seed-Finanzierung in Höhe von 2 Mio. Euro bekanntgegeben. Wir haben mit dem Gründer Christoph Jentzsch gesprochen.

Die Zukunft des Fundraisings?

Das im sächsischen Mittweida ansäßige Blockchain-Startup Tokenize.it hat eine Seed-Finanzierung in Höhe von 2 Mio. Euro bekanntgegeben. Das Unternehmen ermöglicht Gründern, Geschäftsanteile zu tokenisieren und als frei handelbare Tokens herauszugeben.

Zu den Investoren gehören neben einigen Business Angels der High-Tech Gründerfonds, w3.fund sowie der Wagniskapitalgeber seed + speed.

Von Henrik Bredenbals, einem der Co-Founder des w3.fund heißt es:

“Wir glauben, dass in Zukunft jedes Startup tokenisiert wird, um a) die Prozesse zu beschleunigen und b) die Barrieren für Investoren zu senken, ihr Kapital zu allokieren. Insofern ist Tokenize.it ein echter Game Changer.”

Anlässlich der Finanzierungsrunde haben wir mit Gründer Christoph Jentzsch darüber gesprochen, wie Tokenize genau funktioniert und was die Zukunft für das Unternehmen bereithalten wird.

Interview mit Christoph Jentzsch, Gründer

Wie Tokenize funktioniert

Was ist eure “Secret Sauce”? Wie geht ihr rechtlich vor, um Gesellschaftsanteile zu tokenisieren?

Wir machen uns die sog. eigenkapitalähnlichen Genussrechte zunutze.

Das heißt, dass die Firma öffentlich per Auslobung verspricht, dass wer immer einen Token hält, dieser mit dem Genussrecht verknüpft ist und den Token an die Firma zurückschicken und gegen Geschäftsanteile eintauschen kann.

Wichtig dabei ist: Der Token-Inhaber ist wirtschaftlich mit den Gesellschaftern gleichgestellt. Also alles, was der Gesellschafter wirtschaftlich bekommt, wie Dividenden, Exitbeteiligung oder Liquidationserlöse: das bekommt der Token-Inhaber auch.

Als Token-Inhaber steht man allerdings nicht im Handelsregister und kann erst mitbestimmen, wenn man seine Tokens gegen Anteile tauscht.

Um dieses Recht zu gewährleisten, müssen Firmen mind. 1x im Quartal die Möglichkeit eines Notartermins anbieten.

Welche Anforderungen müssen Unternehmen erfüllen, um tokenisierte Geschäftsanteile emittieren zu können?

Aktuell können uns in Deutschland eingetragene GmbHs und UGs nutzen, um ihre Geschäftsbeteiligungen zu tokenisieren. Neben dem KYC-Prozess braucht man nur einen Gesellschafterbeschluss, in dem festgehalten wird, wie viele Tokens emittiert werden. Dann sind sie auch schon “good to go” und können ihren potenziellen Investoren einen Link zu unserer Plattform schicken, über den sie sich ausweisen und investieren können. Ganz einfach.

Möchten die Unternehmen das Angebot nicht nur Business Angels und Bekannten aussprechen, sondern auch öffentlich bewerben - bspw. auf ihrer Webseite - dann greift die sog. Prospektpflicht.

Wobei teilweise auch schon ein 4-seitiges Wertpapier-Informationsblatt ausreicht, solange man nicht mehr als 8 Mio. Euro pro Jahr an Kapital einsammeln möchte.

Um die ganze rechtliche Komplexität dahinter kümmern wir uns. Also so Sachen wie KYC/AML, Anlagevermittlungslizenz… alles, was man halt in Deutschland machen oder haben muss.

Vorteile und Risiken

Kommen wir zu den Vorteilen für Unternehmen. Warum sollten sich Gründer dazu entscheiden, Anteile als Token herauszugeben?

Ich nenne den größten Vorteil für Gründer gerne "Continuous Fundraising”.

Wir haben unsere Finanzierungsrunde jetzt ja mit insgesamt 2 Mio. Euro abgeschlossen. Die Wahrheit ist, dass ich seit Februar kontinuierlich am raisen war und es zu keiner Zeit stressig für mich war.

Also ich habe einfach die Leute auf Konferenzen getroffen, die Konditionen besprochen, den Handschlag darauf gegeben und im Anschluss einen Link geschickt. Ich musste keine Runde orchestrieren und alle Beteiligten zu einem Notartermin bewegen.

Die weiteren Vorteile sind Zweitmarktfähigkeit - also dass ich die Tokens liquide handeln kann - und dass ich die gleichen Tokens auch meinen Mitarbeitern oder selbst meinen Kunden anbieten kann, ohne dafür neue Konstrukte aufzusetzen und sie wirtschaftlich meinen anderen Investoren gegenüber zu benachteiligen.

Und für Investoren? Was sind deren Vorteile?

Unsere Tokens folgen dem ERC-20 Standard. Das heißt, dass sie frei handelbar sind und für Investoren die Liquidität ihrer Investments erhöhen.

Gleichzeitig werden die Private Markets zugänglicher für Privateanleger gemacht und wiederkehrende Prozesse wie Dividendenzahlungen automatisiert.

Was sind auf der anderen Seite die Risiken, die man beim Erwerb von tokenisierten Geschäftsanteilen eingeht?

Wie überall im Blockchain-Bereich ist man einem Smart Contract Risiko ausgesetzt.

Deswegen haben wir sichergestellt, dass unsere Smart Contracts von führenden Auditierungsfirmen geprüft wurden.

Hinzu kommt, dass Investoren vertraglich vor “offensichtlichen Bugs oder Hacks” geschützt sind. Das heißt, dass sie bei einem Smart Contract Hack ihre Tokens neu ausgestellt bekommen.

Ein weiteres Risiko ist auch krypto-immanent, nämlich der Verlust der Private Keys. Dagegen können wir nichts tun, weil wir non-custodial sind.

Es sei denn, es gab noch keine Transaktion. Dann burnen wir die Tokens und stellen neue aus.

Strategie und Geschäftsmodell

Go-to-market: Worauf setzt ihr im Vertrieb und auf welche Zielgruppen fokussiert ihr euch zu Beginn?

Klar, die “low-hanging fruit” sind deutsche Web3-Startups, wobei unser allererster Kunde das Gaming Startup reignite war.

Insgesamt merken wir, dass die Vorteile überzeugen, wir aber viel Aufklärungsarbeit leisten müssen.

Umso glücklicher sind wir, mit dem High-Tech Gründerfonds, w3.fund und seed + speed Ventures Wagniskapitalgeber gefunden zu haben, die das Problem genau kennen und in tokenisierten Geschäftsanteilen die Zukunft sehen. Diese Kredibilität wird uns sehr helfen.

Ansonsten bin ich ja selbst auch Business Angel und mache es mittlerweile zur Voraussetzung, dass ich einen Token haben möchte, wenn ich investiere.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Momentan ist unsere Plattform noch kostenlos.

Zukünftig werden wir 4% vom Gesamtbetrag verlangen. 2% als Tokens und 2% in Cash.

Spannend könnte ja dann auch ein eigener Ecosystem-Fonds sein, mit dem ihr selbst in Startups investiert.

Genau, langfristig ist die Idee, einen eigenen Fonds zu haben, der diese ganzen Tokens hält und in tokenisierte Startups investiert. Aber das ist jetzt gerade noch zu früh.

Wie wollt ihr das Produkt in den nächsten Monaten weiterentwickeln?

Bisher sind “Private Offers” und Mitarbeiterbeteiligungen live. Im nächsten Schritt werden wir “Public Offers” launchen, also dass Firmen auf ihrer Webseite einen Button installieren können, über den jedermann Tokens kaufen kann.

Fürs nächste Jahr planen wir zudem den Launch unseres Zweitmarkts zum Handel dieser Tokens.

Habt ihr auch schon Gespräche mit Lending-Protokollen geführt? Also dass Nutzer ihre Tokens als Collateral einsetzen können, um sich Kredite zu beschaffen.

Bisher noch nicht. Vor allem bei SaaS-Modellen mit wiederkehrenden Umsätzen kann ich mir allerdings sehr gut revenue-based Financing-Lösungen vorstellen, bei denen die Tokens als Kreditsicherheit hinterlegt werden.

Das wäre vor allem für die Gründer sehr attraktiv.

Lass uns zum Abschluss nochmal rauszoomen. Was ist die große Vision, die ihr mit Tokenize verfolgt?

Also die eigentliche Story ist, dass wir gerade die Ethereum Blockchain als Alternative zum Handelsregister platzieren.

Wenn das Schule macht, werden viel Aufwand und Kosten, die bei Notaren anfallen, beseitigt und eine Infrastruktur geschaffen, auf die alle Zugriff haben. Eine Zukunft, in der tokenisierte Unternehmensanteile nahtlos mit dem DeFi-Ökosystem interagieren können.

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